Der Appetit kommt beim Essen: CT-Interview mit Dr. Stephan Bross, Technik-Vorstand der KSB

CT: Herr Dr. Bross, Ihr Unternehmen hat vor rund zwei Monaten die Zahlen für das 1. Halbjahr 2017 veröffentlich: Die KSB konnte ihr Ergebnis steigern, allerdings waren es vor allem Aufträge aus dem nichteuropäischen Ausland, die für Aufwind sorgten. Kann ein Pumpenbauer auf dem europäischen Markt derzeit eigentlich noch wachsen, wenn dort überall Investitionsstau herrscht? Dr. Bross: Es ist richtig, dass die Märkte außerhalb Europas stärker wachsen und wir dort überproportional partizipieren. Dennoch haben wir unsere Anstrengungen auch in unseren Kernmärkten weiter verstärkt. So konnten wir beispielsweise in unserer Region „Europa Mitte“ eine Steigerung im Auftragseingang erzielen, die deutlich über dem Marktwachstum liegt. Aufgrund der schwachen Investitionstätigkeit lag der Fokus auf dem Gebiet der „Installed Base“. Hier konnten wir dank unseres ganzheitlichen Produkt- und Dienstleistungsansatzes sowie unserer engen Kundenbetreuung deutlich zulegen.

CT: Im Jahr 2015 steuerte das Servicegeschäft mit 450 Mio. Euro bereits ein Viertel des Unternehmensumsatz bei, in Deutschland und Frankreich waren es sogar bereits 40 Prozent – wo steht die KSB hier heute? Dr. Bross: Es ist unser klar definiertes Ziel, den Bereich Servicedienstleistungen und Ersatzteile weiter zu verstärken. Global lag der Aftermarketanteil 2015 in der KSB-Gruppe bei etwa 35 Prozent. In manchen Ländern, wie in Frankreich, lag er sogar deutlich darüber. Entsprechend unserer Strategie bauen wir dieses Geschäft international weiter aus. Weltweit wollen wir in diesem Segment einen Anteil von mehr als 40 Prozent erreichen. Dabei stellt unsere vorhandene globale Präsenz einen großen Vorteil dar, denn beim Service spielt natürlich vor allem das Thema Schnelligkeit eine große Rolle. Diese ist nun einmal ortsbezogen. Das wird sich vielleicht irgendwann im Zuge der Digitalisierung ändern, aber aktuell müssen wir einfach vor Ort sein.

CT: Stichwort Digtalisierung: Produkte wie der KSB Sonolyzer, Fluidfuture oder Pumpmeter in Verbindung mit dem Pump Operation Check lassen sich recht gut mit diesem Überbegriff beziehungswsweise Industrie 4.0 beschreiben – eine Entwicklung, die aktuell in faktisch allen Branchen Thema ist, auch in der Chemie. Deren Vertreter betrachten dies zwar interessiert, aber meist doch mit einer gewissen Skepsis. Wie überzeugen Sie Vertreter dieser von Haus aus eher konservativen Branche von Ihren Lösungen? Dr. Bross: Die Frage ist, ob wir hier wirklich Überzeugungsarbeit leisten müssen. Es kam hier auch schon vor, dass Betreiber von sich aus auf uns zukamen. Das Thema der Digitalisierung ist aber viel breiter angelegt, als es der Begriff Industrie 4.0 vermuten lässt. Die Ansätze beschränken sich nicht allein auf das Produkt selbst, sondern auch auf die zugehörigen …

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