Die Küche ist das neue Auto: Die Kochstelle wird zum Gesamtkunstwerk. Sie ist Wohnzimmer, Partyzone …

Die Kochstelle wird zum Gesamtkunstwerk. Sie ist Wohnzimmer, Partyzone – und vor allem Statussymbol. Die Küchenindustrie macht beste Geschäfte: Paradoxerweise sitzt das Geld besonders locker, wenn es richtig teuer wird.

Am Ende war sie es leid, das Geruckel und Gezuckel der Gewürzwägelchen, die staubfangende Sammlung der Toaster und Kaffeemaschinen. Und dann der alte Holzschrank mit seinen ewig klemmenden, rappeligen Schubladen. Mit seinen Farbnasen am Rahmen und der Tür, die nie richtig schloss. Jutta Eckes hätte ihm am liebsten regelmäßig einen Tritt verpasst. Bis sie die Küche ausräumte und die Wand zum Wohnzimmer gleich mit durchbrach.

Heute, drei Jahre später, streichelt sie ihren Schrank, einen weiß schimmernden Korpus, dessen Lackfronten sich in den größer und lichter gewordenen Salon strecken. So schlank sieht das aus, so schön und vor allem funktional. Eine „Hausfrauenfantasie“ nennt die Italienisch-Dozentin ihre neue Küche: Ein leichter Druck mit der Hand, mit dem Knie, mit der Hüfte – und die Schubladen fahren wie von selbst aus, um wieder sanft zurückzugleiten und für den Bruchteil einer Sekunde innezuhalten, bevor sie sich schließen.

Inzwischen sind derlei „soft skills“ Standard. In der deutschen Küche kommt das Design zu sich selbst – als Ästhetik des Funktionierens. Etwa bei Oberschränken, deren Klappen sich elektrisch heben, oder bei Schubkästen, deren Auszüge mit „integrierter Anschlagdämpfung“ ein- und ausfahren. Wie von Zauberhand greifen die Dinge ineinander, in fließender Bewegung, lautlos, spielerisch leicht.

Die Küche als perfekt komponierte, „flüsterleise“ arbeitende Wohlfühlmaschine? Mit „Türen schlagen“ sei es vorbei, sagt Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Die moderne Küche“ (AMK). Sogar der Dunstabzug, der früher jede Unterhaltung übertönte, sei kommunikationsfreundlich heruntergedimmt. Die Küche wird gleichsam in Watte gepackt. Für die meisten Menschen, so Mangels, sei sie das „Herzstück der Wohnung“, ein „gemeinsamer Ort des Austauschs“: Familie, Freunde und Gäste versammeln sich um den Herd.

Als Statussymbol das Auto abgehängt

Jedenfalls der Idee nach, die so verführerisch ist, dass die Deutschen sich die Küche immer mehr kosten lassen. Der AMK-Chef hat den Trend jüngst wieder bestätigt: Der Umsatz der deutschen Küchenmöbelindustrie, der seit Jahren steigt, sei abermals gewachsen, von 11,0 Milliarden (2015) auf 11,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Vor allem hochwertige Küchen, …

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