Die Sicht des Raiffeisen Chefökonomen: Stabil, fragil, labil, unberechenbar

St. Gallen – Erinnern wir uns: 2009, als die Weltkonjunktur nach dem Subprime-Crash am Boden lag, war es vor allem BRIC (Brasilien, Russland, Indien und China) sowie anderen Schwellenländern und natürlich dem vielen Geld, das die reifen Industrienationen zur Ankurbelung des Wachstums in die Wirtschaft pumpten, zu verdanken, dass es nicht zu einer Wiederholung einer riesigen Weltwirtschaftskrise kam. BRIC war damals in aller Munde und es schien für einen Moment, als würde diese nun das Zepter übernehmen und zur dauerhaften Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft avancieren. Und so für Stabilität sorgen. Dies erwies sich allerdings bald einmal als Trugschluss. Brasilien und Indien wurden zu den „Fragilen Fünf“ gezählt. Ukrainekrise und Ölpreisverfall erwiesen sich als Partyschreck und Chinas Börsencrash zeigte bald darauf, dass, was als fragil angesehen wurde, in Wahrheit äusserst fragil war.  

Von wegen stabil und breit abgestützt
Jüngst keimten wieder die alten Hoffnungen auf. Anfang Jahr sah es ganz danach aus, dass das globale Wachstum wieder breiter abgestützt ist, als die Jahre zuvor, die vor allem dank dem US-Konjunkturzug nicht völlig missglückten. Russland schien das Konjunkturtief zu überwinden, trotz vieler Fragezeichen, die noch immer hinter der Politik Putins und der russischen Wirtschaft stehen. China hatte sich mittlerweile auf tieferer aber relativ stabiler Wachstumsdynamik aufgefangen und Brasilien schien endlich die Rezession hinter sich zu lassen. Nur Indien machte wenig Schlagzeilen, aber wenigstens auch keine allzu negativen. Doch bereits gerät die breite Abstützung wieder in Gefahr, vor allem weil sich die Hoffnungen auf Stabilität in Brasilien bereits wieder in Luft auflösten.

Labil und fragil
Im Gegenteil: die Labilität ist zurück in Brasilien. Die scheint dort eher ein Dauerzustand, was wohl auch daher rührt, dass seine politischen Exponenten zu der neigen, sobald Geld winkt. Der Hoffnungsträger der grössten lateinamerikanischen Volkswirtschaft Präsident Michel Temer, welcher die frühere brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff, die über den Petrobrasskandal stolperte, ablöste, steht nun selbst unter Anklage. Es geht erneut um Schmiergeldzahlungen, dieses Mal aus dem Lager des weltgrössten Fleischkonzerns JBS, denen …

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