dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR von 17.00 Uhr – 11.10.2017

ROUNDUP 2: Madrid bereitet Entmachtung von Kataloniens Regierung
vor

MADRID – Im Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen in
Katalonien hat der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy den
Druck auf die Separatisten erhöht. Er forderte die Regionalregierung
am Mittwoch offiziell auf, die verfassungsmäßige Ordnung zu
respektieren. Diese Mahnung gilt als Vorstufe für die Anwendung des
Artikels 155 der spanischen Verfassung, wonach die Zentralregierung
eine Regionalregierung entmachten kann, wenn diese die Verfassung
missachtet. Damit würde Madrid Neuland betreten.

Spanien: Inflation etwas schwächer als erwartet

MADRID – In Spanien sind die Verbraucherpreise im September etwas
schwächer als erwartet gestiegen. Das nach europäischer Methode
errechnete Preisniveau (HVPI) lag 1,8 Prozent höher als im
Vorjahresmonat, wie das Statistikamt INE am Mittwoch in Madrid nach
einer zweiten Schätzung mitteilte. Bei der ersten Schätzung war noch
ein Wert von 1,9 Prozent ermittelt worden. Volkswirte hatten mit
einer Bestätigung der ersten Schätzung gerechnet.

ROUNDUP/IWF: Schuldenlast und faule Kredite drohen zum Hemmnis zu
werden

WASHINGTON – Zu hohe Schulden und noch immer zu viele faule
Kredite: Ungeachtet einer besser gewordenen Stabilität auf den
Finanzmärkten und eines zyklischen Aufschwungs der Weltwirtschaft
hat der Internationale Währungsfonds vor großen Risiken im
internationalen Bankengeflecht gewarnt. „Die Erholung schreitet
eindeutig voran. Aber wenn man sich nicht um die Gefahren kümmert,
drohen Risiken für das weltweite Wachstum“, sagte der Direktor für
Geldpolitik und Kapitalmärkte beim IWF, Tobias Adrian, am Mittwoch
in Washington. Er stellte den zweimal jährlich erscheinenden Bericht
zur Finanzmarktstabilität des Weltwährungsfonds vor.

Macron-Berater: Überschuldete Euro-Staaten nicht um jeden Preis
retten

HAMBURG – Der einflussreiche französische Politikberater Jean
Pisani-Ferry hat sich für eine mögliche Insolvenz überschuldeter
Staaten der Eurozone ausgesprochen. „Wir sollten uns etwas stärker
auf die disziplinierende Wirkung der Marktkräfte verlassen, statt zu
versuchen, die nationale Haushaltspolitik bis ins Detail aus Brüssel
zu steuern“, sagte der Ökonom, der als wichtiger Berater des
französischen Präsidenten gilt, laut einem am Mittwoch
veröffentlichten Vorabbericht der Wochenzeitung „Die Zeit“. „In
letzter Konsequenz könnte das auch darauf hinauslaufen, dass
überschuldete Staaten nicht um jeden Preis gerettet werden, sondern
die Besitzer der Staatsanleihen auf einen Teil ihres Einsatzes
verzichten müssen.“

Deutschland: Neue Regierung kann sich freuen: Aufschwung mit
Milliardenbonus

BERLIN – Mehr Jobs, steigende Einkommen und volle Auftragsbücher:
Deutschland bleibt vor dem Regierungswechsel auf solidem
Wachstumskurs. „Der deutschen Wirtschaft geht es gut. Die nächste
Bundesregierung muss dafür sorgen, dass das so bleibt“, sagte die
scheidende Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) am Mittwoch
in Berlin. Dort präsentierte sie die Konjunkturprognose der noch
amtierenden schwarz-roten Koalition, die in den nächsten Jahren eine
florierende Wirtschaft voraussagt.

Wirtschaftsministerin Zypries: Stabiler Aufschwung in Deutschland

BERLIN – Die deutsche Wirtschaft bleibt nach Einschätzung der
scheidenden Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) auf
Wachstumskurs. Deutschland befinde sich „in einem stetigen und breit
angelegten Aufschwung“, der durch konsumfreudige Verbraucher und
höhere Investitionen der Unternehmen gestützt werde, sagte sie am
Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der neuen Schätzung der
Bundesregierung für das Wirtschaftswachstum.

Ifo-Chef Fuest: Neue Regierung hat über 30-Milliarden-Spielraum

BERLIN – Die künftige Bundesregierung hat nach Einschätzung von
Ifo-Chef Clemens Fuest in den nächsten Jahren einen finanziellen
Spielraum von etwa 33 Milliarden Euro für Steuersenkungen und andere
Ausgaben. Der Präsident des Ifo-Instituts rief die Parteien am
Mittwoch aber dazu auf, maßvoll mit diesem Füllhorn umzugehen. „Wir
leben in Zeiten voller Kassen und niemand redet über Kürzungen von
Ausgaben.“

EZB-Mitglied Smets plädiert für langsamen Ausstieg aus
Wertpapierkäufen

FRANKFURT – Einer der führenden europäischen Notenbanker hat sich
für einen langsamen Ausstieg aus dem milliardenschweren
Wertpapierkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB)
ausgesprochen. Da man immer noch mehr Verlässlichkeit mit Blick auf
die Inflation brauche, sei eine gewisse Dauer bei der Anpassung des
Programms angemessen, sagte der Chef der belgischen Notenbank, Jan
Smets, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der
Finanz-Nachrichtenagentur MNI. Smets ist auch Mitglied im EZB-Rat.

Opec erhöht Nachfrageprognose für 2017 und 2018

WIEN – Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) rechnet
wegen einer stärkeren Weltwirtschaft mit einer höheren Nachfrage
nach Rohöl. Das Ölkartell setzte daher die Nachfrageprognose für das
laufende und das kommende Jahr nach oben, wie aus dem am Mittwoch in
Wien veröffentlichten Monatsbericht hervorgeht. Außerdem seien die
Ölreserven in den entwickelten Volkswirtschaften der Welt zuletzt
gesunken. Wie aus dem Oktober-Bericht des Ölkartells hervorgeht,
rechnet die Opec in diesem Jahr mit einer weltweiten Nachfrage nach
Rohöl von 96,80 Millionen Barrel pro Tag. Das sind 30 000 Barrel
mehr pro Tag als noch im September erwartet worden war. Ein
ähnliches Bild zeigte sich bei der Nachfrageprognose für 2018. Hier
geht die Opec laut der aktuellen Prognose von einer globalen
Nachfrage von täglich 98,19 Millionen Barrel aus, nach zuletzt
prognostizierten 98,12 Millionen Barrel pro Tag.

EU-Kommission macht bei europäischer Einlagensicherung Druck

BRÜSSEL – Die EU-Kommission macht bei der vor allem in
Deutschland umstrittenen Einführung eines europäischen
Sicherungssystems für Bankeneinlagen Druck. Im Jahr 2018 sollten
sich die EU-Staaten darauf verständigen, teilte die Brüsseler
Behörde am Mittwoch mit. Der ursprüngliche Vorschlag der
EU-Kommission stammt aus dem Jahr 2015, in den vergangenen zwei
Jahren gab es allerdings kaum Fortschritte, vor allem wegen
Widerstands hierzulande.

Kundenhinweis:
ROUNDUP: Sie lesen im Konjunktur-Überblick eine Zusammenfassung. Zu diesem Thema gibt es mehrere Meldungen auf dem dpa-AFX Nachrichtendienst.

/jkr

AXC0216 2017-10-11/17:10

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