„Goldilocks“ – einfach perfekt! Oder doch nicht?

Raiffeisen-Finanzexpertin Ingrid Szeiler erwartet in den kommenden Wochen eine schwächere Entwicklung an den Aktienmärkten.

„Goldilocks“ bezeichnet ein Umfeld für die Finanzmärkte, in dem es – tatsächlich oder vermeintlich – nur positive Einflüsse gibt. In den letzten Wochen und Monaten hat sich ein solches Szenario herauskristallisiert. Einerseits haben sich die Fundamentaldaten (das sind etwa Konjunkturindikatoren und die Entwicklung der Unternehmensgewinne) sehr positiv entwickelt und andererseits macht die Inflation keine Anstalten, signifikant zu steigen. Letzteres erlaubt es den Notenbanken, ihre außerordentlich lockere Geldpolitik fortzusetzen bzw. nur sehr langsam zurückzunehmen. Einfach perfekt. Folgerichtig eilen die Aktienmärkte von einem Hoch zum nächsten, wie Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG, in einem aktuellen Kapitalmarktkommentar schreibt.

Die Aufwärtsbewegung finde überdies bei sehr niedrigen Schwankungen statt. Die Volatilität der Aktienmärkte liege heutzutage etwa um 40 bis 60 Prozent niedriger als im Schnitt der letzten 15 Jahre. Der S&P 500 Index (WKN: A0AET0 / ISIN: US78378X1072) handele seit 342 Tagen ohne Fünf-Prozent-Korrektur, eine längere Phase habe es seit 1970 nur einmal in den 1990er Jahren gegeben. Und auch die erwartete Volatilität habe historische Tiefstände erreicht. Wo kein Risiko sei – sei es aus Sicht des fundamentalen Umfelds, sei es aus Sicht der Kursschwankungen – da müssten auch keine Risikoprämien sein. Dies sei schön abzulesen am Markt für Unternehmensanleihen, wo die „Spreadrallye“ (das sei die Abwärtsbewegung der Risikoaufschläge) zuletzt noch beschleunigt habe. Die Rendite für High Yield-Anleihen schlage dieser Tage auf die Zwei-Prozent-Marke auf, ein Niveau, das noch vor wenigen Jahren für Euro-Staatsanleihen bezahlt worden sei. Somit sehe man sich einem überhitzenden Markt gegenüber, an dem ein Rückschlag überfällig sei. Andererseits sei den weiter verbesserten Konjunktur- und Unternehmensdaten Rechnung zu tragen, heißt es weiter.

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