Heilbronner Stimme: Medienwissenschaftler Professor Jo Groebel zu Pfiffen gegen Helene Fischer: Veranstalter gehen hohes Risiko mit Showauftritten ein – schadet dem Künstler

Heilbronn (ots) – Der Medienwissenschaftler Professor Jo Groebel sieht den Halbzeitauftritt von Helene Fischer im Pokalfinale kritisch. Groebel sagte der „Heilbronner Stimme“ (Montagausgabe): „Deutschland ist nicht Amerika, da sind die Pausen viel länger, und es gibt eine andere Unterhaltungskultur. Die Veranstalter gehen ein hohes Risiko mit Auftritten wie von Helene Fischer in der Pause des Pokalfinales oder von Anastacia bei Bayern München ein. Wenn es nicht 100-prozentig passt, wendet sich die Idee ins Gegenteil. Es schadet dann den Künstlern und den Vermarktern.“

Der Medienpsychologe fügte hinzu: „Die Deutschen wollen in der kurzen Halbzeitpause in ihrer Stimmung bleiben – und die ist ausschließlich vom Sport geprägt. Man will über die erste Halbzeit diskutieren und beim Ballgeschehen bleiben, künstlerische Darbietungen werden dann sehr schnell als störend empfunden.“

Groebel weiter: „Die Tradition der Show in der Pause stammt nicht zuletzt aus den großen Endspielen unterschiedlichster Mannschaftssportarten in den USA und ist Teil eines gigantischen Event- und Kommerzerfolges. Der deutsche Sport und selbst der Fußball werden doch immer noch etwas purer gesehen. Da nehmen sehr viele Fans die Showacts als überflüssig und gar sehr störend wahr. Wenn die Sportbegeisterten dann nicht mal zur Fangruppe der Stars gehören, geht das Ganze schnell nach hinten los.“

Zur Frage, ob die Vermarktung generell Grenzen überschreitet, sagte Groebel: „Die Vereine, Verbände, aber auch die übertragenden Sender schauen natürlich, wo es noch kommerzielles Vermarktungspotenzial geben könnte. Moralisch ist das nicht zu beanstanden.“

Dass übertragende Sender die Lautstärke der Pfiffe herunter regelten oder Werbung einblendeten, dafür hat Groebel Verständnis: „Wenn man das Endspiel vor allem als Unterhaltung ansieht, ist verständlich, dass den TV-Zuschauern die Stimmung nicht durch Pfiffe kaputtgemacht werden sollten. Doch geht es natürlich mindestens so sehr um kommerzielle Gesichtspunkte. Da wollte man das Product Placement, das es letztlich auch ist, nicht stören. Immerhin wurden und werden die Reaktionen der Fans vor Ort ja in der Berichterstattung danach aufgegriffen.“

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