KONJUNKTUR IM BLICK/Ölpreis lässt Euroraum-Inflation steigen

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)–Der Inflationsdruck im Euroraum dürfte im November wegen eines kräftigen Ölpreisanstiegs im Monatsverlauf etwas zugenommen haben. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten, dass die Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 1,5 (Oktober: 1,4) Prozent gestiegen sind. Eurostat wird die Daten am Donnerstag (11.00 Uhr) veröffentlichen. Außerdem kommen in dieser Woche auch Verbraucherpreise aus Deutschland, sowie der Index der europäischen Wirtschaftsstimmung.

Obwohl es bei den Energiepreisen einen Basiseffekt gibt, der gegen eine höhere Inflationsrate arbeitet, dürften sie im November inflationstreibend gewirkt haben. Nach Berechnung der Commerzbank ist die Teuerungsrate bei Energieerzeugnissen auf 4,9 (3,0) Prozent gestiegen. Auch bei Nahrungsmitteln dürfte der Inflationsdruck zugenommen haben.

Ökonomen erwarten leichten Anstieg von Teuerung und Kernteuerung 

Die von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen prognostizieren zudem einen Anstieg der Kernteuerungsrate auf 1,0 (0,9) Prozent. In den vergangenen beiden Monaten war die Kernteuerung von einem rückläufigen Druck der Dienstleistungspreise gemindert worden. Dahinter standen vor allem Preisrückgänge bei Pauschalreisen und Hotelübernachtungen, ausgelöst durch das Ende der Sommersaison.

Ein erstes Gefühl für die Inflationsentwicklung werden Preisdaten aus Spanien und Deutschland und geben, die am Mittwoch 9.00 bzw. 14.00 Uhr veröffentlicht werden. Zuvor kommen, über den Vormittag verteilt, Teuerungsdaten aus sechs deutschen Bundesländern. Für Deutschland erwarten die befragten Volkswirte einen Anstieg der am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Inflationsrate auf 1,7 (1,5) Prozent.

Weitere Daten mit einem gewissen Inflationsbezug bringt der Index der Wirtschaftsstimmung des Euroraums (Mittwoch, 11.00 Uhr), denn diese Veröffentlichung enthält Angaben zu den Inflationserwartungen von Wirtschaftssektoren und Verbrauchern. Zudem kommen am Dienstag (10.00 Uhr) Geldmengendaten aus dem Euroraum. In den USA wird am Donnerstag (14.30 Uhr) der Preisindex der privaten Konsumausgaben (PCE-Deflator) veröffentlicht, das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß.

Fed veröffentlicht Beige Book, Kongress hört Powell und Yellen an 

Die Fed veröffentlicht am Mittwoch (20.00 Uhr) ihr Beige Book, das die Ergebnisse der Umfragen der regionalen Federal Reserves bei den Unternehmen ihrer Region zur Konjunktureinschätzungen enthält. Es bildet eine Grundlage der Zinsentscheidung des Offenmarktausschusses FOMC am 12. und 13. Dezember. Von den im Offenmarktausschuss FOMC stimmberechtigten Zentralbankern sprechen diese Woche Neel Kashkari (Dienstag, 0.30 Uhr) und William Dudley (15.15 Uhr).

Außerdem finden zwei wichtige Anhörungen statt. Die erste, am Dienstag (16.00 Uhr), betrifft den designierten Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, und findet im Bankenausschuss des Senats statt. US-Präsident Donald Trump hat Powell nominiert, Nachfolger von Fed-Chefin Janet Yellen zu werden. Beobachter zweifeln nicht daran, dass der Kongress den Republikaner tatsächlich ernennen wird. Allerdings fehlt es nicht an Warnungen, dass sich mit Powell ein Mann anschickt, die mächtigste Notenbank der Welt zu führen, der kein ausgebildeter Ökonom ist.

Diese Tatsache wiegt umso schwerer, als ihm 2018 wegen des Rücktritts vieler „alter Hasen“ und schon länger bestehender Vakanzen ein nur sechsköpfiger FOMC zur Seite steht, der seinerseits recht unerfahren ist. Vor diesem Hintergrund erwarten die Finanzmärkte mit einer gewissen Spannung Powells Anhörung. Am Mittwoch (16.00 Uhr) wird die aktuelle Fed-Chefin Janet Yellen im gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des Kongresses angehört. Sie gibt dort zum letzten Mal ihren halbjährlichen Wirtschaftsausblick.

Deutsche Arbeitslosenzahl dürfte weiter gesunken sein 

Weitere Konjunkturdaten von Belang sind das deutsche GfK-Konsumklima (Dienstag, 13.00 Uhr), der ISM-Index der US-Industrie (Freitag, 16.00 Uhr) und der deutsche Arbeitsmarktbericht (Donnerstag, 9.55 Uhr). Die Arbeitslosigkeit in Deutschland dürfte sich im November erneut verringert haben.

Volkswirte erwarten, dass die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 9.000 gesunken ist. Die Arbeitslosenquote sehen sie unverändert bei 9,6 Prozent. Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt ist zumindest aus Sicht der Arbeitnehmer glänzend. Unternehmen klagen allerdings zunehmend über Personalknappheit.

Am Donnerstag findet außerdem in Wien ein Treffen der Ölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) statt.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/jhe

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November 27, 2017 01:00 ET (06:00 GMT)

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