MÄRKTE USA/Rekordjagd geht weiter – Spannung um Steuerreform

NEW YORK (Dow Jones)–Die Rekordjagd mit Zugewinnen in homöopathischen Dosen an der Wall Street geht am Dienstag weiter. Das Gesamtumfeld für Aktienanlagen sei weiter günstig, heißt es mit Blick auf die robuste globale Konjunktur und die oft noch lockere Geldpolitik der Notenbanken. Zudem sind die Vorgaben aus Europa freundlich.

Der Dow-Jones-Index gewinnt 0,3 Prozent auf 22.643 Punkte. Der S&P-500 kommt um 0,2 Prozent voran, die Nasdaq-Indizes liegen gut behauptet. Dow und S&P-500 haben damit neue Rekordhochs erklommen, wie fast unzählige Male in diesem Jahr knapp über den alten. Am US-Anleihemarkt tut sich ebenfalls zunächst wenig, die Zehnjahresrendite sinkt um einen Basispunkt auf 2,32 Prozent. Der Goldpreis tendiert seitwärts, die Feinunze kostet 1.295 Dollar.

Viel Aufmerksamkeit der Akteure an den Finanzmärkten kommt der Anhörung von Jerome Powell vor dem Bankenausschuss des Senats zu. Der von US-Präsident Donald Trump auserkorene Kandidat zur Nachfolge von Janet Yellen an der Spitze der US-Notenbank sagte in seiner bereits vorveröffentlichten Rede, dass die Notenbanker von „noch weiter“ steigenden Zinsen ausgingen und dass die Bilanz der Notenbank graduell schrumpfen werde. Daran, dass Powell tatsächlich der neue Fed-Chef wird, gibt es praktisch keine Zweifel.

„Ich sehe das nicht als eine größere Kehrtwende der Geldpolitik“, sagt David Donabedian, Anlageexperte bei CIBC Atlantic Trust. „Interessanter ist das regulatorische Umfeld unter Powell, denn er scheint offener zu sein in Richtung gelockerter Regeln für die Finanzindustrie“, ergänzt er.

Senat-Beratungen über Steuerreform als Unsicherheitsfaktor 

Daneben stehen die Beratungen im Senat über den Entwurf der Steuerreform im Fokus. Sollten drei Republikaner nicht dafür stimmen, wäre der Entwurf gescheitert, vorausgesetzt die Demokraten stimmen geschlossen dagegen.

Die Stimmung für Ölaktien profitiert von Royal Dutch Shell. Der entsprechende Subindex liegt mit einem Anstieg um ein halbes Prozent an der Spitze. Shell kündigte an, bald ein 25 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm zu starten, abhängig vom Fortschritt des Schuldenabbaus und der Ölpreisentwicklung. Außerdem will Shell seine Dividende künftig wieder nur noch in bar zahlen, die Aktionäre können nicht mehr zwischen einer Barausschüttung oder diskontierten Aktien wählen.

Am Markt wird dies als Zeichen einer sehr robusten Liquiditätslage gewertet und als Ausdruck dafür, wie stark sich die Ölriesen derzeit vom historischen Abschwung des Ölmarktes erholen. Auch der norwegische Konkurrent Statoil schafft die Wahlmöglichkeit zwischen Bar- und Aktiendividende ab, und bei BP wird über einen solchen Schritt diskutiert. Chevron und Exxon stiegen um je 1 Prozent. Dass die Ölpreise aktuell etwas zurückkomen, belastet nicht. US-Öl der Sorte WTI verbilligt sich um 0,2 Prozent auf 57,96 Dollar.

Rekordumsatz am Cyber Monday 

Rockwell hat den unerwünschten Übernahmeversuch durch den US-Mischkonzern Emerson Electric erfolgreich abgewehrt. Emerson zieht das Angebot von 225 Dollar je Aktie, das Rockwell mit rund 29 Milliarden Dollar bewertete, zurück wegen der Verweigerungshaltung der Rockwell-Chefetage. Das Angebot war bereits das dritte in Folge. Rockwell zeigen sich auf die Nachricht unverändert mit 191,02 Dollar, für Emerson geht es um 1,8 Prozent nach oben.

Microsoft zeigen sich 0,9 Prozent im Plus. Der Softwareriese will mit SAP die Angebote im Cloud-Geschäft bündeln, um Unternehmenskunden einen verbesserten Übergang in die Datenwolke zu ermöglichen. Microsoft versucht damit, gegen die Dominanz von Amazon vorzugehen auf dem Markt webbasierter Speicherresourcen.

Amazon ziehen um 0,6 Prozent an, Alibaba um 0,1 Prozent. Der sogenannte Cyber Monday war Analysten zufolge der umsatzstärkste Online-Shopping-Tag aller Zeiten. Wie der Datenanalyst Adobe Systems mitteilte, gaben die Kunden am Montag 6,59 Milliarden Dollar aus, 16,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nike verlieren nach einer Abstufung auf „Hold“ von Buy“ durch HSBC gegen die positive Tendenz 0,5 Prozent.

Buffalo Wild Wings ziehen um 6,4 Prozent an auf 155,70 Dollar, nachdem Arby’s Restaurant Group – das Unternehmen gehört dem Beteiligungsunternehmen Roark Capital Group -, zugestimmt hat, Buffalo Wild Wings für 157 Dollar je Aktie bzw. insgesamt 2,9 Milliarden Dollar zu übernehmen.

Dollar setzt Erholung fort 

Der Dollar erholt sich weiter von seiner jüngsten breit angelegten Schwäche, wenn auch nur leicht. Der Euro kommt auf 1,1885 Dollar zurück, nachdem er im Hoch am Vortag 1,1960 Dollar gekostet hatte. Zur Begründung wird auf Hoffnungen auf ein Gelingen der Steuerreform verwiesen, vereinzelt aber auch auf das Redeprotokoll von Jerome Powell, das etwas falkenhafte Züge trage. Zudem hatte bereits am späten Montag William Dudley, der Präsident der Fed von New York, gesagt, dass der robuste Arbeitsmarkt die Inflation mit der Zeit antreiben werde und dass davon abgesehen, eine niedrige Inflation bei gleichzeitig niedriger Arbeitslosenquote keine schlechte Sache sei.

Mit Blick auf die Verhandlungen über die Steuerreform warnen die Analysten der Commerzbank davor, dass es für den Dollar ungemütlich werden könne, sollte hier eine Einigung fehlschlagen. Für die Dollaroptimisten sei die Reform so etwas wie ein Strohhalm.

=== INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD DJIA 23.666,37 0,36 85,59 19,75 S&P-500 2.607,39 0,23 5,97 16,46 Nasdaq-Comp. 6.889,92 0,17 11,40 27,99 Nasdaq-100 6.417,69 0,18 11,72 31,95 US-Anleihen Laufzeit Akt. Rendite Bp zu Vortag Rendite Vortag +/-Bp YTD 2 Jahre 1,74 0,6 1,73 53,6 5 Jahre 2,04 -0,2 2,05 12,0 7 Jahre 2,20 -1,2 2,21 -4,5 10 Jahre 2,32 -1,0 2,33 -12,5 30 Jahre 2,77 0,1 2,77 -30,0 DEVISEN zuletzt +/- % Di, 7:53 Uhr Mo, 18:05 % YTD EUR/USD 1,1884 -0,21% 1,1909 1,1916 +13,0% EUR/JPY 132,33 -0,04% 132,39 132,24 +7,6% EUR/CHF 1,1684 -0,04% 1,1689 1,1681 +9,1% EUR/GBP 0,8955 +0,26% 0,8932 1,1188 +5,1% USD/JPY 111,36 +0,17% 111,17 110,98 -4,7% GBP/USD 1,3271 -0,46% 1,3333 1,3332 +7,6% ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 57,90 58,11 -0,4% -0,21 +1,6% Brent/ICE 63,40 63,84 -0,7% -0,44 +8,1% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold (Spot) 1.293,03 1.294,57 -0,1% -1,54 +12,3% Silber (Spot) 16,94 17,05 -0,7% -0,11 +6,4% Platin (Spot) 948,15 949,00 -0,1% -0,85 +4,9% Kupfer-Future 3,08 3,13 -1,8% -0,06 +22,0% === 

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November 28, 2017 09:59 ET (14:59 GMT)

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