MÄRKTE USA/Wall Street mit leichtem Minus – Amazon bei 1.000 USD

NEW YORK (Dow Jones)–Mit leichten Abgaben hat sich die Wall Street am ersten Handelstag nach dem langen Wochenende gezeigt. Am Montag waren wegen des „Memorial Day“ in den USA die Börsen geschlossen geblieben. Nach einer guten Berichtssaison für das erste Quartal fragen sich derzeit die Investoren, wie lange der Marktoptimismus und die niedrige Volatilität noch andauern werden. Einige Analysten zeigen sich durchaus besorgt. So würden einige Bereiche, wie der Automobilsektor, nach Jahren einer guten Entwicklung bereits erste Warnsignale aussenden.

Der Dow-Jones-Index reduzierte sich um 0,2 Prozent auf 21.029 Punkte. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite verloren je 0,1 Prozent. Beide Indizes hatten in der vergangenen Woche noch neue Rekordstände erreicht. Technische Analysten deuten dies als ein Indiz, dass der Aufwärtstrend unverändert intakt ist.

Umgesetzt wurden 770 (Freitag: 683) Millionen Aktien. Dabei wurden nach vorläufigen Angaben 1.151 Kursgewinner und 1.847 -verlierer gesehen. Unverändert schlossen 114 Titel.

Amazon-Aktie erstmals bei 1.000 Dollar 

Die Aktie von Amazon erreichte kurz nach der Eröffnung erstmals die Schwelle von 1.000 Dollar und markierte damit einen neuen Rekordstand. Bereits am Freitag waren die Titel bis auf einen Dollar an diese Marke herangelaufen. Auch die Aktie der Google-Mutter Alphabet kämpfte mit diesem Niveau. Am Freitag betrug der Abstand hier lediglich noch vier Dollar. Amazon konnten die 1.000er Marke jedoch nicht bis zum Schluss verteidigen. Die Titel gingen 0,1 Prozent höher bei 996,70 Dollar aus dem Handel, die Aktie von Alphabet zeigte sich 0,3 Prozent höher bei 996,17 Dollar.

„Die Technologiewerte sind die Outperformer an den Aktienmärkten“, sagte Alexander Hirsekorn von Wellenreiter-Invest. Der bisherige Jahresgewinn des S&P-500 stamme zu einem Drittel von lediglich fünf Aktien, die alle aus dem Technologiebereich kommen: Apple, Amazon, Facebook, Microsoft und Google/Alphabet.

US-Daten liefern keinen Impuls 

Die Blicke waren auch auf die US-Konjunkturdaten des Tages gerichtet. So haben die persönlichen Einnahmen und Ausgaben für April exakt die Erwartungen des Marktes getroffen. Auch der Case-Shiller-Hauspreisindex für März fiel im Rahmen der Prognosen aus. Der Index des Verbrauchervertrauens für Mai enttäuschte dagegen mit einem Rückgang auf 117,9 Punkte. Ökonomen hatten nur mit einem leichten Rückgang auf 119,0 nach zuvor 120,3 gerechnet. Highlight der Woche ist jedoch der US-Arbeitsmarktbericht für Mai, der am Freitag veröffentlicht wird.

Zudem meldet sich im Wochenverlauf eine Reihe von US-Notenbankern zu Wort, bevor die Schweigeperiode vor der nächsten Notenbanksitzung Mitte Juni beginnt. Bei den vielen Terminen könnten die Geldpolitiker die starken Markterwartungen, dass sie bei ihrer Sitzung am 13. und 14. Juni die kurzfristigen Zinsen anheben werden, bestärken oder aber dämpfen.

Den Auftakt machte Fed-Gouverneurin Lael Brainard, die bei der New York Association for Business Economics sprach. Ihre Äußerungen wurden als Plädoyer für eine Zinserhöhung im kommenden Monat interpretiert. Gleichzeitig warnte Brainard, die dieses Jahr stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss der US-Notenbank ist, dass die niedrige Inflation Anlass zur Sorge gebe. Wenn die Teuerung nicht anziehe, könnte die Fed gezwungen sein, ihren geldpolitischen Kurs zu überdenken, sagte Brainard sinngemäß. Das würde bedeuten, dass weitere Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte fraglich wären. Für Aktienanleger, die nach den jüngsten Rekordhochs eine Korrektur fürchten, hatte die Fed-Gouverneurin eine beruhigende Botschaft: Die Bewertungen am Aktienmarkt befänden sich nicht einmal in der Nähe jener schwindelerregenden Höhen, die in den Jahren 1999 und 2000 erreicht wurden.

Euro erholt sich von zwischenzeitlichen Abgaben 

Der Euro stand zwischenzeitlich deutlich unter Abgabedruck und fiel im Tagestief bis auf knapp 1,11 Dollar zurück. Die nicht in allen Punkten überzeugenden US-Konjunkturdaten schwächten aber den Dollar. Dazu kam, dass die weltpolitische Lage, etwa der Konflikt mit Nordkorea wegen der Atomwaffentests des Landes, die Anleger ihr Heil in traditionellen Fluchtwährungen wie Yen und Schweizer Franken suchen ließ. Im späten US-Handel notierte der Euro knapp unter 1,12 Dollar.

Devisenexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank sieht gleichwohl mehrere Faktoren, die den Euro bremsen dürften. Aussagen des ehemaligen italienischen Premierministers Matteo Renzi ließen Neuwahlen noch in diesem Jahr möglich erscheinen, was die Risikostimmung in den kommenden Monaten beeinflussen dürfte. Dominierender Impulsgeber sei jedoch vorerst die Geldpolitik. Nach der Rede von EZB-Chef Mario Draghi vor dem EU-Parlament dürfte nun „auch dem letzten Zocker klar sein, dass eine Wette auf eine überraschend falkenhafte EZB auf ihrer Sitzung kommende Woche gewagt ist“.

Die Kurse der US-Staatsanleihen profitierten etwas von dem enttäuschenden Index des Verbrauchervertrauens. Die Rendite zehnjähriger US-Papiere fiel um 4 Basispunkte auf 2,21 Prozent.

Der Goldpreis gab einen Teil der Gewinne vom Freitag wieder ab, obwohl der schwächere Dollar eigentlich das Edelmetall hätte stützen müssen. Der US-Settlementpreis für Gold hatte zum Wochenausklang auf dem höchsten Niveau seit Ende April gelegen. Übergeordnet bleibe die Nachfrage nach dem „sicheren Hafen“ mit der Nordkorea-Krise aber bestehen, hieß es von Teilnehmern. Der Preis für eine Feinunze reduzierte sich zum Settlement um 0,5 Prozent auf 1.265,70 Dollar. Im anschließenden elektronischen Handel gab der Goldpreis nochmals etwas nach auf 1.263 Dollar.

Am Ölmarkt schien die leichte Erholung vom Freitag, nach dem Einbruch im Anschluss an das Opec-Treffen, schon wieder vorbei zu sein. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sank zum Settlement um 0,3 Prozent auf 49,66 Dollar, war im Verlauf aber bis auf 49,03 Dollar gefallen. Für Brent ging es um 0,9 Prozent auf 51,84 Dollar nach unten. Das Erdöl-Kartell hatte am Donnerstag mit der weithin erwarteten Verlängerung der Fördermengendrosselung etliche Teilnehmern enttäuscht, die weitergehende Maßnahmen erwartet hatten. Nun hofften die Akteure, dass die Daten zu den Ölvorräten der USA am Donnerstag von einem neuerlichen Rückgang der Bestände zeugten. Das sei auch der Grund, weshalb sich die Preise von ihren Tagestiefs erholt hätten und WTI sich besser gehalten habe als Brent.

Unterdessen hatten die Analysten von Goldman Sachs ihre WTI-Ölpreisprognose für dieses Jahr auf 52,92 von 54,80 Dollar gesenkt. Die Schätzung für das kommende Jahr blieb unverändert bei 55 Dollar. Nach Meinung der Analysten würde ein WTI-Preis von 50 Dollar oder darunter dazu beitragen, das Überangebot abzubauen. Für viele US-Schieferölproduzenten lohne sich die Förderung nämlich erst bei Preisen oberhalb von 50 Dollar.

Kauf von Venezuela-Anleihen belastet Goldman-Aktie 

Den größten Kursverlust im Dow verzeichnete die Aktie von Goldman Sachs, die um 2,3 Prozent fiel. Am Montag war bekanntgeworden, dass die US-Bank Anleihen der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela gekauft hatte, die bisher im Besitz der Zentralbank des südamerikanischen Landes waren, das von politischen Unruhen erschüttert wird. Goldman erwarb die Schuldtitel zu 31 Prozent ihres Nennwerts. Die venezolanische Opposition wirft der Bank vor, mit der Transaktion ein verbrecherisches Regime am Leben zu erhalten.

Aktien der Energiebranche fielen im Sog der Ölpreise. Exxon und Chevron büßten je 0,6 Prozent ein, der Kurs des Pipelinebetreibers Kinder Morgan fiel um 4,3 Prozent und die Aktie von Chesapeake Energy um 3,6 Prozent. Devon Energy verbilligten sich um 3,7 Prozent.

Der aktivistische Investor Elliott Management hat im Streit um die Absetzung des Aufsichtsratschefs von Akzo Nobel vor Gericht eine Schlappe eingesteckt. Damit steigt der Druck auf den US-amerikanischen Akzo-Konkurrenten PPG Industries, ein feindliches Angebot für den niederländischen Farben- und Spezialchemiehersteller zu unterbreiten oder aber seine monatelangen Übernahmeversuche aufzugeben. Akzo Nobel hatte Anfang Mai die dritte, nachgebesserte Offerte in Höhe von rund 24,6 Milliarden Euro abgelehnt. Die Titel von PPG gaben um 0,7 Prozent nach.

AT&T gewannen 1,1 Prozent, nachdem die Analysten von MoffettNathanson die AT&T-Aktien und den Telekomsektor auf „Neutral“ von „Sell“ hochgestuft hatten. Verizon rückten um 1,9 Prozent vor. Die vielen Negativschlagzeilen aus der Branche hätten die KGV von AT&T und Verizon unter den Marktdurchschnitt gedrückt, weshalb sich hier Kaufgelegenheiten ergeben könnten, sagten die Analysten.

=== INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD DJIA 21.029,47 -0,24 -50,81 6,41 S&P-500 2.412,91 -0,12 -2,91 7,78 Nasdaq-Comp. 6.203,19 -0,11 -7,00 15,23 Nasdaq-100 5.794,63 0,11 6,27 19,14 US-Anleihen Laufzeit Akt. Rendite Bp zu Vortag Rendite Vortag +/-Bp YTD 2 Jahre 1,29 -0,8 1,30 8,8 5 Jahre 1,76 -2,6 1,78 -16,6 7 Jahre 2,03 -3,4 2,06 -22,0 10 Jahre 2,21 -3,7 2,25 -23,4 30 Jahre 2,88 -3,4 2,91 -18,9 DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:26 Mo, 17:15 % YTD 

(MORE TO FOLLOW) Dow Jones Newswires

May 30, 2017 16:13 ET (20:13 GMT)

Copyright (c) 2017 Dow Jones & Company, Inc.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.