MÄRKTE USA/Wall Street weiter im Niemandsland

NEW YORK (Dow Jones)–Die Wall Street bewegt sich seit Wochenbeginn im Niemandsland. Das Vortagesgeschäft war geprägt von Gewinnmitnahmen nach neuen Rekordhochs. Doch sowohl die Aufschläge auf neue Rekordhöhen als auch die anschließenden Gewinneinstreichungen fielen in homöopathischen Dosen aus. Letztlich passierte nicht viel. Dieses Szenario scheint sich am Dienstag zu wiederholen. Zwar markierten Dow-Jones-Index, S&P-500 und Nasdaq-Composite zum Handelsbeginn neue Rekordhöhen, doch echte Kauflaune können Händler so kurz vor der beginnenden Drittquartalssaison nicht ausmachen. Gegen Mittag (Ortszeit New York) steigt der Dow-Jones-Index um 0,1 Prozent auf 22.793 Punkte, der S&P-500 legt um 0,1 Prozent zu, und der Nasdaq-Composite sinkt um 0,1 Prozent.

In den nächsten Tagen stehen die Geschäftsberichte von Blackrock, Delta Air Lines, JP Morgan, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo an. Für die Analysten von Morgan Stanley sind die Konsensschätzungen zu niedrig. „Eine Kombination aus konservativen Unternehmensprognosen und einem überzeugenden ersten Halbjahr verbunden mit andauerndem Wirtschaftswachstum und steigenden Margen sollten den Weg für positive Überraschungen bereiten“, heißt es bei den Experten.

Doch zur gebremsten Kauflaune trägt auch die Verunsicherung wegen der Spanienkrise bei. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont wird am Abend in einer Rede vor dem katalanischen Regionalparlament Farbe bekennen in Sachen Unabhängigkeit der autonomen Region von Spanien. Auch die leidige Zinsdebatte nimmt vor Veröffentlichung des US-Notenbankprotokolls am Mittwoch Fahrt auf. Mit Rob Kaplan, dem Präsidenten der Dallas Fed, wird sich im Laufe des Tages noch ein Vertreter der US-Notenbank äußern.

Euro Spielball der Spanienkrise 

Am Devisenmarkt steigt der Euro mit Spekulationen auf ein Zurückfahren der geldpolitischen Lockerungen durch die EZB auf gut 1,18 Dollar nach Wechselkursen um 1,1740 am Vorabend. Ansonsten steht auch hier steht die Rede von Puigdemont im Blick. Sollte der katalanische Regierungschef wider Erwarten am Abend eine Erklärung zur vollständigen Unabhängigkeit der Region von der Zentralregierung in Madrid abgeben, dürfte dies die Einheitswährung nach Einschätzung aus dem Handel unter Abgabedruck setzen. Daneben könnten die Äußerungen der Fed-Vertreter die Zinsdebatte in den USA befeuern und den Dollar in die eine oder andere Richtung bewegen.

Der Goldpreis bleibt seit vergangenem Freitag auf dem Vormarsch und legt um weitere 0,7 Prozent auf 1.292 Dollar zu. Das Edelmetall profitiert vom schwächelnden Dollar und von seinem Ruf als sicherer Anlegerhafen in unsicheren Zeiten. Unsicher ist die Zukunft des spanischen Königreichs ganz sicher. Nach der Vortagespause werden US-Renten nun wieder gehandelt. Auch hier beobachten Händler steigendes Interesse mit der näher rückenden Entscheidung in Katalonien am Abend. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verliert gegenüber Freitag drei Basispunkte auf 2,33 Prozent.

Einen ordentlichen Satz machen die Erdölpreise: US-Leichtöl der Sorte WTI verteuert sich um 2,7 Prozent auf 50,91 Dollar je Fass, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 1,8 Prozent auf 56,79 Dollar. Hinter dem Preissprung steht Saudi-Arabien. Das ölreiche Königreich hat Pläne zur Senkung der monatlichen Erdölexporte für November angekündigt. Die Rohölverschiffung soll demnach um 7 Prozent auf Jahressicht reduziert werden. Die Maßnahme ist Teil der Bemühungen des Erdölkartells Opec im Verbund mit anderen Staaten, die globale Ölschwemme anzugehen und die Preise zu treiben. Zudem sorgt Wirbelsturm „Nate“ für Fördereinstellungen im Golf von Mexiko. Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo fordert derweil von den US-Schieferölproduzenten, ihren Teil zur Stützung der Erdölpreise beizutragen.

Ausblick und Aktienrückkauf beflügeln Wal-Mart 

Mit einem Plus von 4,4 Prozent führt die Wal-Mart-Aktie den Dow-Jones-Index an. Der Einzelhandelskonzern hat seinen Ausblick bekräftigt und den Rückkauf von Aktien im Volumen von 20 Milliarden Dollar angekündigt. Walt Disney fallen um 0,5 Prozent, nachdem der Unterhaltungskonzern den Trailer zum Kinofilm „Star Wars: Die letzten Jedi“, präsientiert hat, der am 15. Dezember in die Kinos kommen soll. Fans hoffen auf neue Abenteuer in einer weit entfernten Galaxie und Anleger auf klingelnde Kinokassen. Händler verweisen dagegen auf die zuletzt eher schwachen Kinostarts.

Der Pharmakonzern Pfizer stellt seine Gesundheitssparte auf den Prüfstand. Zu den Möglichkeiten gehörten ein Gesamt- oder Teilverkauf sowie eine Abspaltung des Bereichs, der sich auf verschreibungsfreie Gesundheitsprodukte spezialisiert hat, wie Pfizer ankündigte. Die Titel sinken um 0,2 Prozent.

Für Procter & Gamble geht esum 0,2 Prozent nach unten. Auf der Hauptversammlung des Konzerns wurden alle bisherigen Direktoren wiedergewählt. Damit scheiterte das Bemühen des aktivistische Investors Nelson Peltz um einen Platz im Board des Unternehmens.

American International Group rechnet wegen der jüngsten Wirbelstürme für das dritte Quartal mit Milliardenkosten. In der Periode dürften Kosten vor Steuern von 2,9 bis 3,1 Milliarden US-Dollar aus der Rückversicherung auf den Konzern zukommen. Der Versicherer will am 2. November die Ergebnisse für das dritte Quartal präsentieren. Der Kurs fällt um 0,6 Prozent.

American Airlines lieferte einen Ausblick auf das dritte Quartal über Markterwartung, auch United Continental überraschte mit ihrer Indikation positiv. Die Papiere der beiden Fluggesellschaften steigen um 4,6 bzw. 5,5 Prozent. Das Konglomerat Honeywell will seine Konzernstruktur verschlanken und lagert dazu einige Geschäftsbereiche aus. Sowohl das Haustechnik- als auch das Transportsysteme-Geschäft sollen bis Ende nächsten Jahres in zwei eigenständige börsennotierte Gesellschaften ausgegliedert werden. Die Aktien steigen um 0,2 Prozent.

=== INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD DJIA 22.792,59 0,14 31,52 15,33 S&P-500 2.546,33 0,06 1,60 13,73 Nasdaq-Comp. 6.570,71 -0,14 -9,02 22,06 Nasdaq-100 6.045,32 -0,22 -13,21 24,30 US-Anleihen Laufzeit Akt. Rendite Bp zu Vortag Rendite Vortag +/-Bp YTD 2 Jahre 1,50 0,0 1,50 30,2 5 Jahre 1,93 -2,1 1,96 1,0 7 Jahre 2,16 -2,7 2,19 -8,7 10 Jahre 2,33 -2,9 2,36 -11,3 30 Jahre 2,87 -3,2 2,90 -20,0 DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 8:23 Do, 21:53 % YTD EUR/USD 1,1807 +0,24% 1,1779 1,1780 +12,3% EUR/JPY 132,40 -0,24% 132,71 132,43 +7,7% EUR/CHF 1,1505 +0,52% 1,1445 1,1438 +7,4% EUR/GBP 0,8934 +1,72% 0,8783 1,1402 +4,8% USD/JPY 112,12 -0,50% 112,68 112,43 -4,1% GBP/USD 1,3216 -1,42% 1,3406 1,3432 +7,1% ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 50,91 49,58 +2,7% 1,33 -10,8% Brent/ICE 56,79 55,79 +1,8% 1,00 -3,2% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold (Spot) 1.291,92 1.283,23 +0,7% +8,70 +12,2% Silber (Spot) 17,18 16,97 +1,2% +0,20 +7,8% Platin (Spot) 931,00 917,50 +1,5% +13,50 +3,0% Kupfer-Future 3,05 3,02 +0,9% +0,03 +20,9% === 

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October 10, 2017 12:20 ET (16:20 GMT)

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