Merkel will in Brüssel Druck machen für Handelsabkommen mit Indien

Von Christian Grimm

BERLIN (Dow Jones)–Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will in die eingefrorenen Gespräche über ein Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien Bewegung bringen. „Deutschland wird sich hier massiv in Brüssel einsetzen, dass diese Verhandlungen voranschreiten“, sagte Merkel auf einem deutsch-indischen Wirtschaftsforum in Berlin.

Die Verhandlungen zwischen Indern und Europäern stehen seit 2013 still. Zu weit auseinander lagen bisher die Interessen beider Seiten. In der Vergangenheit hatte unter anderem der Patentschutz für Medikamente für Uneinigkeit gesorgt. Indien ist ein wichtiger Hersteller von Generika, also Medikamenten, für die der Patentschutz abgelaufen ist oder der in Indien nicht gilt. Eine Marktöffnung Indiens dürfte in vielen Wirtschaftsbereichen einen Strukturwandel auslösen, der mit Übergangsfristen aufgefangen werden kann. Ursprünglich begannen die Verhandlungen mit Neu Delhi vor zehn Jahren. Erschwerend kam bis zum Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi hinzu, dass die indische Volkswirtschaft häufig instabil war und unter hoher Inflation litt.

Die Europäer suchen wegen Trump neue Partner 

Durch die Präsidentschaft Donald Trumps in den USA sehen sich die Europäer gezwungen, sich neuen Partnern zuzuwenden. Angela Merkel sorgte auch international für viel Wirbel, als sie die USA am Sonntag als nicht mehr verlässlichen Partner einstufte. Aus diesem Grund kommt Bewegung in zähe Freihandelsverhandlungen, unter anderem mit Indien, Japan und Mexiko. „Wir sehen weltweit eine ganze Reihe von protektionistischen Tendenzen. Wir glauben aber, dass es notwendig ist, offen zu sein“, sagte Merkel vor den Managern aus Deutschland und Indien.

Post-Chef Frank Appel will über 200 Millionen Euro in Indien investieren. Ein Handelspakt würde ihm das Leben leichter machen. „Ich denke, es ist wichtig. Indien und Europa müssen Fahrt aufnehmen“, forderte der Vorstandsvorsitzende auf dem Forum. Er lobte Modi, der als erster indischer Regierungschefs seit 15 Jahren die Probleme seines Landes offensiv anpacke. Davon könnten auch Politiker im Westen lernen, „wie man führen kann, wenn man eine Vision hat.“

Vor dem Wirtschaftskongress hatten die Regierungen beider Länder zahlreiche Verträge und Absichtserklärungen zur tieferen Zusammenarbeit vereinbart. Sie betreffen die Bereiche Cyber-Technologie, Digitalpolitik, Manager- und Berufsausbildung und Klimaschutz. Deutschland will Umweltschutz und moderne Stadtplanung mit billigen Krediten in Höhe von 1 Milliarde Euro voran bringen. Indien will von Deutschland vor allem lernen, wie es die hunderte Millionen von jungen Leuten anständig ausbilden und qualifizieren kann.

Für Unternehmen aus dem Ausland ist das Geschäft mit dem Subkontinent nicht einfach. Sie haben mit der grassierenden Korruption, einer undurchsichtigen Verwaltung, mangelnder Rechtssicherheit, fehlender Infrastruktur und hohen Zöllen zu kämpfen.

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May 30, 2017 09:24 ET (13:24 GMT)

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