Neue Westfälische (Bielefeld): Nachwuchsmangel bei der Bundeswehr Imageprobleme und mehr Carsten Heil

Bielefeld (ots) – Wer einmal einen praktischen Eindruck von einem Arbeitgeber gewonnen hat, tut sich leichter mit der Entscheidung, ob besagter Arbeitgeber dauerhaft der richtige ist. Arbeitsgebiete, die Atmosphäre unter den Kollegen, Kundenverhalten und vieles mehr sind bekannt. Deshalb gibt es Hospitanzen und Praktika. Nach der Abschaffung der Wehrpflicht 2011 fehlt der Bundeswehr diese verpflichtende Praxisphase. Sie gerät immer wieder in die Schlagzeilen, weil es dem Nachwuchs entweder an Zahl oder an Qualität mangelt. Kein Wunder. Mit ein paar – zugegeben sehr guten – Werbefilmen sind nicht viele wirklich qualifizierte junge Menschen zu locken. Die Bundeswehr hat gleich ein ganzes Bündel von Problemen: Sie hat ein schlechtes Image, mit häufig unzureichender veralteter oder nicht funktionierender Ausrüstung. Die regelmäßig wiederkehrenden Kameraden- und Ausbildungsskandale machen es nicht reizvoll, Vater Staat an dieser Stelle als Dienstherren zu haben. Unsere Soldaten müssen inzwischen weit weg von Familien und Freunden über Wochen Dienst tun. Die Arbeit ist nicht ungefährlich und spielt sich in unbequemen Weltgegenden ab. Gleichzeitig benötigt die Armee immer besser ausgebildetes Personal. Waffensysteme, Maschinen, Navigationsgeräte erfolgreich zu bedienen, erfordert großes Wissen und Geschick. Die gutqualifizierten Menschen bekommen angesichts brummender Wirtschaft und fehlender Fachkräfte im Zivilbereich leicht angenehmere und teils besser bezahlte Arbeitsplätze. Und schließlich: Die Debatte läuft nicht in Richtung Bundeswehr. Die Sicherheitsdiskussion dreht sich um Weihnachtsmärkte und andere Großveranstaltungen. Da ist die Bundeswehr nicht gefragt. Internationale Einsätze werden nicht gelobt, sondern in der Öffentlichkeit eher kritisiert. Wer will sich schon ständig für seine Berufswahl rechtfertigen müssen? Nach mehr als 70 Jahren Frieden im Kern des europäischen Festlandes ist das Bewusstsein, dass eine schlagkräftige Landesverteidigung zwingend erforderlich ist, merklich zurück gegangen. Trotz zurückgekehrter Spannungen mit Russland glaubt niemand wirklich, dass „die Russen kommen“, wie es früher hieß. Das Gegenteil ist richtig. Die sehr unterschiedlichen Herausforderungen und Bedrohungen von Afrika bis Saudi-Arabien, die veränderte Position der USA, die schon genannten Reibereien mit Moskau sollten klar machen, dass die Bundeswehr nicht vernachlässigt werden darf.

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