Neue Westfälische (Bielefeld): Trumps erste Auslandsreise Warm anziehen Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) – Es war eine politische und kulturelle Blindschleichigkeit, die Donald Trump auf seiner ersten Auslandsreise als Präsident der größten Supermacht der Erde zwischen saudischen Protzpalästen und sizilianischer Steilküste zur Schau gestellt hat. Da ist kein Gestalter mit Ideen und Plänen auf die Weltbühne getreten, obwohl er bald 71 wird und sie seit 30 Jahren aus seinem Penthouse in Manhattan im Blick hat. Sondern ein eitler Conferencier, der sich auf Plattitüden und nichtssagende Superlative verlegte, wann immer ein nachdenkliches, abwägendes Wort angesagt war. Wie soll der große Friedens-Deal im Nahen Osten denn nun konkret aussehen, an dem sich Heere von Diplomaten seit über einem halben Jahrhundert vergebens abmühen? Was exakt soll die NATO im Kampf gegen den Islamischen Staat leisten? Warum kam beim Führer der freien Welt nirgends die Einsicht zu Wort, dass der Extremismus mit militärischen Mitteln und simplen „Vertreibt sie!“-Parolen allein niemals besiegt werden kann? Trumps Marathon-Speed-Dating mit der Welt wird bleibende Schäden hinterlassen. Der Iran weiß nun offiziell, dass seine Rückennummer in Washington notiert ist. Seine gefährliche Anbiederei an die saudischen Despoten und Ideologie-Exporteure, die – ausgenommen amerikanische Raketen-Schmieden – nicht wissen, wohin mir ihren Petro-Milliarden, wird das Wettrüsten in einer bereits bis an die Stirnwurzel bewaffneten Region weiter anheizen. Der Präsident hat der Weltöffentlichkeit gezeigt, wie würdelos es ist, wenn ein unbelesener Ego-Darsteller an die Hebel der Macht gelangt. Nicht anders darf seine erste Begegnung mit der ihm bis dahin unbekannten dritten Art gewertet werden: Europa. Anstatt endlich das strategische Vakuum im Anti-Terror-Kampf gegen den Islamischen Staat und El Kaida unter besonderer Berücksichtigung des schäbigen Syrien-Engagements Russlands zu füllen, führte sich Trump als Zuchtmeister und Kassenwart auf. Er bezichtigte das Gros der 27 in bemerkenswerter Ignoranz der vielen anderen Friedensleistungen der Zechprellerei. Folgerichtig sang er in Brüssel und beim G-7-Gipfel in Italien das fade Lied von den „schlechten“ Handelsüberschüssen, mit denen andere – Deutschland vorneweg – Amerika das Leben schwer machten. In Wahrheit träumen seine Wirtschaftsfachleute längst von einem neuen Freihandelsabkommen mit der EU – Arbeitstitel: TTIP II. Was soll man von all dem halten? Warm anziehen. Und auf die nächste Unglaublichkeit einstellen. Donald Trump hat noch gar nicht richtig angefangen.

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