Rheinische Post: Kommentar: Der Papst als Politiker

Düsseldorf (ots) – Der Papst ist kein Politiker. Selbst dann nicht, wenn er politisch zu agieren scheint. Weil im Gegensatz zu allen augenscheinlich Mächtigen seine Macht im Charisma gründet, in seiner gelebten moralischen Glaubwürdigkeit. Seine Armee ist die frohe Botschaft. Und nun das: Ausgerechnet auf seiner Friedensreise in Myanmar vermeidet Papst Franziskus, die Opfer beim Namen zu nennen. Die verfolgte muslimische Minderheit der Rohingya-Volksgruppe bleibt unerwähnt. Stattdessen fordert er nur, die Rechte aller zu würdigen. Papst Franziskus ist kein ängstlicher, verzagter Mensch. Das hat er in seinem Pontifikat immer wieder unter Beweis gestellt. Seine Zurückhaltung nun soll der Sorge geschuldet sein, dass deutlichere Worte neue Konflikte im Land entfachen könnten. Der Papst hat also plötzlich diplomatisch gehandelt, politisch im weitesten Sinne. Das muss man zwar akzeptieren. Allerdings wird dieser Rollenwechsel teuer bezahlt: mit dem Verlust, frei zu reden und nur seinem Gewissen zu folgen. Auf dieser schwierigen Reise ließ sich Papst Franziskus selbst entmachten.

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