ROUDUP: Britisches Wirtschaftswachstum schwächt sich stärker ab als erwartet

LONDON (dpa-AFX) – Die Wirtschaft Großbritanniens hat zu Beginn
des Jahres noch stärker an Fahrt verloren als erwartet. Der
Außenhandel und der private Konsum lasteten auf der
Wirtschaftsentwicklung. Ökonomen machen auch die Brexit-Entscheidung
für die Abschwächung verantwortlich.

Im ersten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich
zum Vorquartal um 0,2 Prozent gewachsen, teilte das nationale
Statistikamt ONS am Donnerstag nach einer zweiten Schätzung mit. In
einer ersten Schätzung war noch ein Wachstum von 0,3 Prozent
ermittelt worden. Volkswirte hatten mit einer Bestätigung dieses
Wertes gerechnet.

Der Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik zu Jahresbeginn ist
damit erheblich. Im vierten Quartal 2016 hatte die
Wirtschaftsleistung noch um 0,7 Prozent zum Vorquartal zugelegt. Das
Wachstum in der Eurozone war im ersten Quartal mit 0,5 Prozent
merklich höher als auf der Insel.

„Die Daten zeigen, dass die Abwertung des britischen Pfundes nach
der Brexit-Entscheidung eine insgesamt negative Wirkung auf die
Wirtschaftsentwicklung hatte“, schreibt Chefvolkswirt Samuel Tombs
von Pantheon Macroeconomics. So sind die Ausgaben der privaten
Haushalte nur um 0,3 Prozent zum Vorquartal gestiegen. Dies ist der
niedrigste Anstieg seit dem vierten Quartal 2014. Die stark
gestiegenen Importpreise infolge der Pfund-Abwertung haben laut
Tombs die Kaufkraft belastet. Seit der Brexit-Entscheidung im Juni
2016 ist das Pfund um 16 Prozent gefallen.

Gedämpft wurde das Wachstum auch durch den Außenhandel. Die
Exporte fielen im ersten Quartal merklich, während die Importe
deutlich zulegten. Eine Verbesserung erwartet Tombs auch künftig
nicht, da viele britische Exporteure ihre Preise deutlich angehoben
hätten und sich daher die Wettbewerbsfähigkeit der britischen
Wirtschaft nicht verbessere – trotz des gefallenen Pfundkurses.
Gestützt wurde das Wachstum im ersten Quartal durch die
Investitionen. Aber auch hier erwartet Tombs angesichts des
bevorstehenden Brexits künftig eine schwächelnde Entwicklung.

Auch im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat wuchs die
britische Wirtschaft schwächer als erwartet. Sie legte um 2,0
Prozent zu, nachdem zunächst noch ein Wachstum von 2,1 Prozent
ermittelt worden war. Der britische Pfund wurde durch die Daten
belastet und fiel auf ein Tagestief von 1,2946 US-Dollar./jsl/stb

AXC0052 2017-05-25/12:19

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