ROUNDUP 3: Dax schafft es erstmals über 13 000 Punkte

(neu: Schlussstand, Deutschen Bank)

FRANKFURT (dpa-AFX) – Nach Tagen der Lethargie hat der deutsche
Leitindex Dax am Donnerstag erstmals den Sprung über
die 13 000 Punkte geschafft. Er stieg in der Spitze bis auf 13
002,34 Punkte, kehrte anschließend aber wieder knapp unter die Marke
zurück. Am Ende stand er noch 0,09 Prozent höher bei 12 982,89
Punkten. Mit dem nächsten Angriff auf eine Tausendermarke knüpft das
Börsenbarometer an seinen starken Lauf der vergangenen Monate an.
Allein im September – einem traditionell eigentlich eher schwachen
Börsenmonat – hatte der Dax 6,4 Prozent gewonnen.

Damit beendete der Leitindex eine tagelange Durststrecke, in der
er knapp unterhalb von 13 000 Punkten vor sich hin gedümpelt war.
Mehrfach hatte er sich bis auf wenige Punkte genähert, aber dann den
Schwung verloren. „Die Marke war fällig und sie wurde mit reichlich
Vorlauf und unsagbar zäher Annäherung genommen“, sagt Daniel Saurenz
von Feingold Research. Er wertet den Sprung über die psychologisch
wichtige Marke als eine logische Folge der Niedrigzinspolitik in den
USA und der Nullzinspolitik in Europa.

Hintergrund der erfreulichen Entwicklung am deutschen Aktienmarkt
sind außerdem die guten Wirtschaftsperspektiven der Eurozone und der
Eurokurs, der zwischenzeitlich gegenüber dem Dollar wieder etwas
zurückgefallen war. Eine schwächere Gemeinschaftswährung ist
tendenziell positiv für die Exportwirtschaft der Eurozone und treibt
für gewöhnlich auch die Aktien der exportlastigen Unternehmen im Dax
an.

Zugleich haben sich die Anleger ein dickes Fell in Sachen Krisen
zugelegt: Ängste rund um geopolitische Spannungen wie dem
Nordkorea-Konflikt legten sich. Das jüngste innenpolitische Hickhack
in Spanien wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der Region
Katalonien ließ die Anleger am hiesigen Aktienmarkt kalt. In
Deutschland wird derweil auf politische Stabilität auch unter einer
möglichen Jamaika-Regierungskoalition aus CDU/CSU, Grünen sowie FDP
gesetzt.

Experten blicken nun gespannt voraus, ob der Dax die Marke
nachhaltig überwinden kann. Tim Albrecht von der Deutschen Bank etwa
hält es für möglich, dass sich das Kursbarometer im nächsten Jahr
auf die 14 000-Punkte-Marke zubewegt. „Euphorie ist zwar nicht
angebracht, aber insgesamt stehen die Börsenampeln weiter auf Grün“,
so der Experte. Die deutsche Wirtschaft laufe sehr gut, die
Unternehmensgewinne stiegen und auch die Bewertungen hätten Luft
nach oben.

Der Sprung über eine Tausenderhürde kann den Kursen frischen
Schwung verleihen, da auch Investoren angelockt werden, die sich
zuvor noch zurückgehalten hatten und sich dann von der guten
Stimmung mitreißen lassen. Um das weitere Potenzial abschätzen zu
können, lohnt laut dem Chartexperten Franz-Georg Wenner vom
Börsenstatistik-Magazin Index-Radar ein Blick in die Vergangenheit
mit ähnlichen Kursausbrüchen nach oben. Auch er errechnete daraus
zunächst ein Potenzial bis auf fast 14 000 Punkte.

Ende 2016 notierte das Börsenbarometer noch knapp unterhalb von
11 500 Punkten. Seither hat es um mehr als 13 Prozent zugelegt.
Größere Unfälle ausgeschlossen, zeichnet sich bereits das sechste
Gewinnjahr in Folge ab. Sollten die 13 000 Punkte bis Ende 2017
halten, würde sich das Plus seit Ende 2011 dann auf insgesamt
mindestens 120 Prozent belaufen.

Es gibt aber auch vorsichtige Stimmen, die auf unter der
Oberfläche schwelende Probleme verweisen. An den Aktienmärkten werde
schon wieder auf die Versprechen von Donald Trump gesetzt, was nicht
gerechtfertigt erscheine, gab Analystin Claudia Windt von der
Landesbank Helaba mit Blick auf die vollmundigen
Steuersenkungsankündigungen des US-Präsidenten zu bedenken. Indes
rumore es im Euroraum angesichts der Unabhängigkeitsbestrebungen der
Katalanen in Spanien und die Franzose begännen, ihrem Präsidenten zu
misstrauen.

Auch Saurenz will „etwas Wasser in den Wein gießen“. Er
kritisiert etwa, dass die Nullzinspolitik jegliche Bereinigung am
Markt unterbinde und die ohnehin schon hohen Bewertungen forciere. „Doch im Moment gilt: der Dax ist in Feierlaune“, resümiert der
Experte. Die Aktienmärkte seien weltweit auf Erfolgskurs, wie
erreichte Rekorde an der Wall Street oder der japanische Nikkei
auf dem höchsten Stand seit 1996 zeigten. Vor diesem
Hintergrund sei kein Börsencrash in Sicht./mis/das/tih/he

ISIN DE0008469008

AXC0225 2017-10-12/18:23

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