ROUNDUP: Aktionäre entscheiden im Machtkampf bei Grammer

AMBERG (dpa-AFX) – Nach monatelangem Machtkampf beim bayerischen
Autozulieferer Grammer müssen die Aktionäre am
Mittwoch auf der Hauptversammlung in Amberg eine Entscheidung
treffen. Die Investorenfamilie Hastor will fünf Aufsichtsräte
abwählen und den Vorstand absetzen. Aktionärsschützer, Politik und
die IG Metall stärken dagegen der Grammer-Führung den Rücken. Die
Entscheidung wird in der gesamten Autoindustrie mit Spannung
verfolgt. Auch das Bundeswirtschaftsministerium hat sich mehrfach in
den Machtkampf eingeschaltet. Am Dienstag sagte Staatssekretär
Matthias Machnig (SPD): „Die künftige Entwicklung eines heute
erfolgreichen Unternehmens darf nicht aufs Spiel gesetzt werden.“

Die Fronten sind verhärtet. Beide Seiten überschütten sich seit
einem halben Jahr gegenseitig mit Vorwürfen; Anwälte der
Hastor-Familie werfen Grammer-Chef Hartmut Müller Lüge und Untreue
vor und drohen Vorstand und Aufsichtsrat mit Schadenersatzklagen.
Auf der Hauptversammlung ist daher ein harter Schlagabtausch zu
erwarten. Der Ausgang der Abstimmung wird von allen Beteiligten als
völlig offen eingeschätzt.

Grammer beliefert den Volkswagen -Konzern,
Mercedes, BMW und andere Konzerne mit Kopfstützen,
Mittelkonsolen und Armlehnen. Die Hastor-Firmengruppe Prevent hatte
aber im Streit mit VW plötzlich die Lieferung
eingestellt und die Bänder in Wolfsburg und Emden tagelang
stillgelegt. Nach dem Vorstoß der Hastors bei Grammer habe sich der
Auftragseingang halbiert, sagte Vorstandschef Müller.

Die Hastors sind inzwischen größter Grammer-Aktionär mit 20 bis
25 Prozent der Anteile. Für den Aufsichtsrat haben sie drei
Prevent-Manager als eigene Kandidaten vorgeschlagen. Damit hätten
sie zwar noch nicht die Kontrolle im Aufsichtsrat. Wenn sie ihren
Anteil auf 25,1 Prozent der Aktien aufstocken würden, hätten sie
aber ein Vetorecht bei allen wichtigen Entscheidungen.

Auf der Hauptversammlung werden die Prevent-Manager und die
Anwälte der Hastors erwartet, nicht die Investoren selbst. Der
Ausgang der Abstimmung auf der Hauptversammlung bleibt spannend,
weil in der Regel nur rund 45 Prozent der Aktien vertreten sind. Die
Hastors werfen Müller zu niedrige Gewinne vor – Müller verweist
dagegen auf die internationale Expansion und steigende Margen.
Betriebsräte und IG Metall sorgen sich um die 12 000 Arbeitsplätze -
davon 3000 in Deutschland – und verweisen auf die skeptische
Reaktion der Kunden./rol/DP/stk

ISIN DE0005190003 DE0007664039 DE0005895403

AXC0016 2017-05-24/06:35

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