Schulz: Schlechtere Bezahlung von Frauen ist eine ‚Schande‘

BERLIN (dpa-AFX) – SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will bei
einem Wahlsieg unmittelbar etwas gegen die schlechtere Bezahlung von
Frauen tun. „Eine SPD-geführte Bundesregierung wird in den ersten
100 Tagen alle notwendigen Initiativen ergreifen (…), um
sicherzustellen, dass diese Schande, dass Frauen immer noch
schlechter bezahlt werden als Männer, aufgelöst wird“, sagte Schulz
am Samstag bei einer Wahlkampf-Konferenz vor rund 500
SPD-Funktionären in Berlin.

In kaum einem EU-Land ist die Lohnlücke so groß wie in
Deutschland. Frauen verdienen durchschnittlich 21 Prozent weniger
als Männer – auch weil sie wegen der Kinderbetreuung länger in
Teilzeit sind.

Schulz ging bei der Veranstaltung direkt auf die Kritik ein, er
sei vor den verlorenen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und
Nordrhein-Westfalen öffentlich auf Tauchstation gewesen – während
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei diversen Gipfeltreffen Weltpolitik
gemacht habe.

Er tingele über die Dörfer, um aufzunehmen, was in diesem Land
los sei. „Die Bundestagswahl wird weder in Washington noch in Moskau
entschieden, aber auf diesen Dörfern, wo ich tingele“, sagte Schulz.
Ebenso wies er Vorwürfe aus sozialen Medien zurück, wo er wahlweise
als „Schulden-Schulz“, „Schizo-Schulz“ oder „Lügen-Schulz“
bezeichnet werde: „Macht, was Ihr wollt, mich werdet Ihr nicht
ändern, ich bin so wie ich bin.“

In seiner 70-minütigen Rede machte Schulz deutlich, dass die
soziale Gerechtigkeit sein zentrales Wahlkampfmotiv bleibt. Die
Lohnungleichheit sei für ihn ein Beispiel, dass es trotz Wohlstands
und Wachstums nicht gerecht zugehe. Für Frauen sei es eine der
schlimmsten Demütigungen, dass sie für gleiche Arbeit oft viel
weniger Geld bekämen als männliche Kollegen. Die Bundestagswahl am
24. September werde deshalb eine Richtungsentscheidung: „Ich möchte,
dass es in diesem superreichen Land gerechter zugeht.“

Widerspruch kommt von Peer Steinbrück. Der 2013 gescheiterte
SPD-Kanzlerkandidat warnte Schulz, allein auf Gerechtigkeit zu
setzen. „Die SPD wird auf diesen Code nicht verzichten können“,
sagte der frühere Bundesfinanzminister der „Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung“. „Ich gebe aber allen recht, die sagen: Die
Konzentration auf die Gerechtigkeit reicht nicht, es muss etwas dazu
kommen, das Fortschritt, Zukunftsoptionen verdeutlicht.“ Zugleich
riet Steinbrück der SPD nach der Wahl von einem Bündnis mit Linken
und Grünen ab.

Zu Schulz sagte Steinbrück, das 100-Prozent-Ergebnis bei dessen
Wahl zum Parteivorsitzenden im März sei „vergiftet“ gewesen. „Die
Partei saß plötzlich auf Wolke sieben, es hat sich ein
Realitätsverlust eingestellt und das Publikum hat sich gewundert:
Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?“ Die SPD sollte lockerer
werden. „Der Begriff der Heulsusen trifft gelegentlich den
Gemütszustand der SPD. Nur wehe, Sie sprechen ihn aus.“

Die SPD-Spitze hatte zu Wochenanfang Eckpunkte ihres
Wahlprogramms auf den Weg gebracht. Die Konzepte für Steuern und
Rente fehlen noch. Schulz kritisierte die Ankündigung von CSU-Chef
Horst Seehofer, der den Wählern „wuchtige“ Steuersenkungen in
Aussicht gestellt hat. „Ich weiß nicht, was bei dem wuchtig ist.
Nein, ich bin für wuchtige Investitionen“, sagte er. Bei den
Kommunen gebe es einen Investitionsstau von 140 Milliarden
Euro./tb/DP/he

AXC0022 2017-05-27/15:01

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