WAHL/ROUNDUP: Beteiligung bisher auf Niveau von 2013 – Künftige Koalition offen

BERLIN/WIESBADEN (dpa-AFX) – Bei der Bundestagswahl zeichnete
sich am Sonntag nach ersten Zahlen eine Wahlbeteiligung etwa auf dem
Niveau von 2013 ab. Nach Angaben des Bundeswahlleiters war die
Beteiligung bis zur Mittagszeit nahezu identisch mit der Wahl vor
vier Jahren. Bis 14.00 Uhr hatten 41,1 Prozent aller
Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben. Bei der Bundestagswahl 2013
hatte die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt bei 41,4 Prozent gelegen.

Der Zwischenstand wird auf Grundlage der Beteiligung in
ausgewählten Wahllokalen ermittelt. Allerdings sind in den
Berechnungen nicht die Stimmen der Briefwähler enthalten. Experten
erwarten in diesem Jahr einen Rekord an Briefwahlstimmen.

Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung am Ende bei 71,5 Prozent.
Angesichts einer stärkeren Politisierung in diesem Jahr und der
teils aufgeheizten Debatte um die AfD hatten Demoskopen aber einen
leichten Zuwachs erwartet.

Rund 61,5 Millionen Deutsche waren zur Wahl aufgerufen. Letzte
Umfragen sahen die Union zwischen 34 und 36 Prozent. Die SPD stand
bei 21 bis 22 Prozent. Die AfD lag zwischen 11 bis 13 Prozent, die
Linke kam auf 9,5 bis 11, die FDP auf 9 bis 9,5 Prozent. Die Grünen
standen demnach bei 7 bis 8 Prozent.

Damit könnte neben einer neuen großen Koalition aus Union und SPD
auch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen möglich werden.
In beiden Fällen wäre Merkel auch die nächste Bundeskanzlerin, sie
würde damit bereits in ihre vierte Amtszeit gehen.

Mit besonderer Spannung wird das Abschneiden der AfD erwartet:
Erstmals seit den 50er-Jahren könnte eine rechtsnationale Partei in
den Bundestag einziehen – und das möglicherweise sogar als
drittstärkste Kraft.

Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Union 41,5 Prozent
bekommen, die SPD 25,7 Prozent, die Linke kam auf 8,6, die Grünen
erreichten 8,4 Prozent. FDP (4,8) und AfD (4,7) scheiterten jeweils
an der Fünf-Prozent-Hürde.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte bei seiner
Stimmabgabe in Berlin den rund 650 000 Wahlhelfern in Deutschland.
Sie trügen auch in diesem Jahr zu einem reibungslosen Ablauf der
Wahl bei Steinmeier kam bei kühlem, regnerischen Wetter in
Begleitung seiner Frau Elke Büdenbender in das Wahllokal in einer
Grundschule im Stadtteil Zehlendorf.

In der „Bild am Sonntag“ hatte das Staatsoberhaupt die Deutschen
noch einmal aufgerufen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Wahlrecht ist Bürgerrecht. Für mich ist es in einer Demokratie
vornehmste Bürgerpflicht. Gehen Sie zur Wahl!“, schrieb er in der
Zeitung.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gab zusammen mit ihrem Mann Joachim
Sauer im Wahllokal der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte ihre
Stimme ab. Sie gab kein Statement ab, sondern sprach nur kurz mit
den Wahlhelfern.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wählte zusammen mit seiner
Ehefrau Inge in seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt Würselen
ab. „Ich hoffe, dass heute möglichst viele Menschen von ihrem
Wahlrecht Gebrauch machen und eine demokratische Zukunft der
Bundesrepublik Deutschland bestärken, indem sie demokratischen
Parteien ihre Stimme geben“, sagte der 61-Jährige. Vor dem Wahllokal
machte der SPD-Kanzlerkandidat das Victory-Zeichen.

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir grüßte bei seiner Stimmabgabe
im Berliner Bezirk Kreuzberg vormittags gut gelaunt wartende
Journalisten, Wahlhelfer und andere Wähler. „Ich erhoffe mir, dass
wir nicht schlechter werden als das letzte Mal, gerne stärker
werden“, sagte er anschließend vor dem Wahllokal Journalisten.

Die Wahllokale schließen um 18.00 Uhr, gleich darauf senden die
großen Fernsehsender die ersten Prognosen. Das vorläufige amtliche
Endergebnis wird für die Nacht zum Montag erwartet./tl/DP/he

AXC0045 2017-09-24/16:08

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