WAZ: Der kleine Junge im Gefängnis – Kommentar von Frank Preuß zu Türkei

Essen (ots) – Ihr kleiner Junge lebt bei ihr im Gefängnis, weil auch ihr Mann inhaftiert ist. Er sollte jetzt eigentlich im Kindergarten sein und mit anderen spielen. Vielleicht rührt das Schicksal der deutschen Journalistin Mesale Tolu auf den ersten Blick noch ein bisschen mehr als das der anderen inhaftierten Deutschen, die türkischer Willkür ausgeliefert sind. Aber auch auf sie warten Mütter, Brüder, Töchter in furchtbarer Ungewissheit.

Ein faires Verfahren für Mesale Tolu hat der Bundesaußenminister gestern pflichtgemäß und etwas matt zum Prozessauftakt in Istanbul gefordert. Appelle an die Türkei verpuffen allerdings in unschöner Regelmäßigkeit.

Natürlich beteuert die türkische Führung bei jeder Gelegenheit, dass die Justiz unabhängig ist. Aber wie unabhängig kann eine Justiz sein, wenn über ihr ein Machthaber thront, der fast 4500 Richter und Staatsanwälte gefeuert hat und der die angeklagten Deutschen bereits als Putschisten und Terroristen vorverurteilt hat?

Nein, die Inhaftierten sind für Recep Tayyip Erdogan ein politisches Faustpfand, sie sind Geiseln. Für Mesale Tolu ist das kein gutes Omen. Auch nicht für ihren kleinen Jungen.

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