Weidmann: Frage nach dem ‚Wann‘ bei geldpolitischer Normalisierung legitim

BERLIN (dpa-AFX) – Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens
Weidmann, hat auf Fehlanreize und Risiken im Euroraum verwiesen.
Zwar sei die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)
im Grundsatz weiterhin angemessen, sagte Weidmann laut einem
Redetext am Montag in Berlin. „Aber aufgrund der fortschreitenden
wirtschaftlichen Erholung und einer von allen Prognosen
vorhergesagten Inflationsrate von knapp zwei Prozent im Jahr 2019
ist es durchaus legitim zu fragen, wann der EZB-Rat eine
geldpolitische Normalisierung in den Blick nehmen sollte.“

Weidmann bekräftigte seine Kritik an den Staatsanleihekäufen im
großen Stil, die als reines Notfallinstrument insbesondere zur
Vermeidung einer Deflation zu betrachten seien. „Solche Käufe lassen
die in einer Währungsunion besonders wichtige Grenze zwischen der
Geldpolitik und der Fiskalpolitik verschwimmen“, sagte der
Währungshüter. Die Gefahr sinkender Preise, die die Wirtschaft in
eine Abwärtsspirale ziehen könnten, sei derzeit nicht ins Sicht.

Mittlerweile seien die Euro-Notenbanken die größten Gläubiger der
Staaten. „Das kann am Ende dazu führen, dass politischer Druck auf
das Eurosystem ausgeübt wird, länger an der sehr lockeren
Geldpolitik festzuhalten als aus Sicht der Preisstabilität
angemessen.“ Zudem brächten die niedrigen Leitzinsen und die
Wertpapierkäufe Risiken mit sich, etwa mit Blick auf die
Preisentwicklung am Immobilienmarkt./tos/jkr

AXC0190 2017-05-29/19:05

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