Weser-Kurier: Gedanken zum Terror von Moritz Döbler

Bremen (ots) – Dieser Text zählt rund 400 Wörter. Es sind auf jeden Fall zu wenige, um dem Anschlag von Manchester, dem Leid, der Angst gerecht zu werden. Und doch sind es auch zu viele. Denn was soll man angesichts des immer neuen Terrors, der stets die gleichen hilflosen Botschaften der Trauer und des Mitgefühls auslöst, eigentlich diesmal noch sagen? „Ich habe keine Worte“, twitterte Ariana Grande, nachdem der Selbstmordattentäter seine Bombe zwischen den Besuchern ihres Konzerts gezündet hatte.

Keine Worte zu haben, ist menschlich, aber angesichts der bedrohlichen Lage falsch. Denn der Kampf gegen die Terroristen wird durch Worte gewonnen werden müssen. Die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen böten doch keinen totalen Schutz gegen Einzeltäter, die größte Militäroffensive könnte den Islamismus doch nicht vernichten. Die freie Gesellschaft muss sich zwar besser schützen, und dafür sind mehr Polizei und mehr Militär leider notwendig – aber eben nicht hinreichend. Die freie Gesellschaft muss Haltung zeigen.

Anders als Ariana Grande hat Donald Trump schnell Worte gefunden. Aber sie führen in die Irre. Er wolle die Terroristen nicht Monster nennen, denn das würde ihnen gefallen, sagte er bei seinem Besuch in Israel. Es handele sich vielmehr um „böse Verlierer“, die junge, schöne, unschuldige Menschen töteten. Es ist genau diese pseudoreligiöse zornige Rhetorik von Gut und Böse, die gerade nicht für eine freie Gesellschaft steht.

Ariana Grande scheint einen Sinn für dieses Thema zu haben. Im Titelsong ihres neuen Albums „Dangerous Woman“ (Gefährliche Frau) singt die 23-Jährige darüber, wie ein Mann ihre Leidenschaft weckt. Sie spricht von „den bösen Mädchen im Inneren“, und der ganze Song dreht sich darum, dass sie Dinge tut, die sie eigentlich nicht tun sollte – dass sie sich also Freiheiten nimmt.

Es ist nicht anzunehmen, dass es dem Täter von Manchester bewusst um diesen Songtext oder diese Sängerin ging. Aber dass Frauen sich Freiheiten nehmen, gilt Islamisten als besonders verwerflich. Kulturelle Freiheit, Ausgelassenheit und gute Stimmung sind Anschlagsziele geworden, der Daesch ruft aktuell zu Angriffen auf Konzerte von „Ungläubigen“, Straßenfeste, Paraden und Fußgängerzonen auf.

Die Bedrohung ist umfassend und zugleich punktuell, die Menschen können sich nicht darauf einstellen. Und so wachsam und wehrhaft der Staat künftig auch sein muss und unweigerlich sein wird, so wenig kann er den Terror doch besiegen. Der Terror muss versiegen, und dafür muss sich die freie Gesellschaft beweisen. Mit Zorn und Verachtung, selbst mit Gewalt ist dem Islamismus nicht vollständig beizukommen, sondern nur mit einer besseren Welt, mit Hoffnung. Am Ende zählen Worte mehr als Bomben.

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