Wo bitte geht es hier zum Strom?: Ein großer Kastenwagen, mit vielen Sitzen und noch mehr Platz, elektrisch-umweltfreundlich …

Ein großer Kastenwagen, mit vielen Sitzen und noch mehr Platz, elektrisch-umweltfreundlich unterwegs. Eine tolle Idee. Wäre da nicht dieser naive Plan, mit ihm ein Musikfestival in 90 Kilometer Entfernung zu besuchen.

Der Alarmton, er schrillt bei Kamp-Lintfort. Nicht, um vor Kamp-Lintfort zu warnen, was vielleicht sinnvoll wäre, aber auf einem anderen Blatt steht. Der Alarm zeigt, dass der Akku gleich leer ist. Schon wieder! Wäre es mein Handy, ich würde die Powerbank anschließen, wäre es eine Taschenlampe, ich tauschte die Batterien. Leider stammt der Alarmton vom Nissan e-NV 200 Evalia, einem Kastenwagen mit Elektromotor. Und er weist auf eine verbleidende Batterieladung von 25 Kilometern hin. Knapp 30 Kilometer vor meinem Ziel. Kamp-Lintfort sehen und laden also.

Während der 70 Minuten Ladebetrieb bleibt mir viel Zeit, um nachzudenken. Um die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Klassische Rückblende, das Bild verschwimmt, ich sehe mein Vergangenheits-Ich einen kühnen Plan schmieden: „Ich möchte mit dem Elektroauto zum Festival!“ Wie jung, wie naiv ich nur eine Woche zuvor doch gewesen war. Ein Kollege hatte noch gewarnt, mit finstrer Miene: „Fahr nur dort hin, wo Dich eine Akkuladung auch wieder zurück bringt!“

Doch ich, ich hatte einen Plan. Eine Vision: Von Düsseldorf aus knapp 90 Kilometer bis zum Niederrhein mit Zwischenstopps bewältigen. 170 Kilometer Maximalreichweite hat der Nissan, der von der gleichen Batterie angetrieben wird wie der Leaf. Beide wiegen leer ungefähr gleich viel (1,5 bzw. 1,6 Tonnen), aber der e-NV kommt als Siebensitzer und soll entsprechend mehr Last bewegen. Da ist schon ein Problem: Pro 100 Kilogramm mehr Gewicht sinkt die Reichweite um drei Prozent. Stellen Sie sich jetzt vor, es steigen zwei Leute nebst reichlich Gepäck für ein Musikfestival ein. Und die würden auch gerne Autobahn fahren. Sowie Lüftung und Klimaanlage und Radiobeschallung genießen.

Was beim Verbrenner einiges an Sprit spart – wenig Gas, rollen lassen, konstante Geschwindigkeit, wenig Bremsen – bewirkt beim Elektromotor das Gegenteil. Wo keine Bremskraft, da keine Energierückgewinnung. Das Resultat: Während die E-Kisten im Stadtverkehr ihre Reichweite optimieren, hält auf der Bahn jeder Handy-Akku im Dauerbetrieb länger.

Kommen wir zurück zum Reisevorhaben. Um der schleichenden Ladepanne vorzubeugen, war die Route genau ausgetüftelt. Start mit voller Batterie in Düsseldorf, erster Zwischenstopp nach 50 Kilometern in Voerde. Frühstückspause, eine halbe Stunde Schnelladen, nochmal 40 Kilometer weiter, Party. Auf dem Rückweg ein Mittagessen im beschaulichen Rees, direkt am Rhein gelegen, nachladen, dann entspannt und reichlich geladen heim. Soweit die graue Theorie.

Das bisher einzige Elektroauto, was ich fahren durfte, war der Renault Twizzy. Das Go-Kart könnte man wahrscheinlich auf eine Mignon-Zelle stellen und es wäre immer noch über Nacht geladen. Was ich dabei nicht gelernt habe: Die Wahrheit …

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